Stiftung für Romantikforschung
Publikationen
Die fantastische Bildlichkeit der Stadt.
Zur Begründung der literarischen Fantastik im Werk E.T.A. Hoffmanns

(Jörg Steigerwald)

Die Begründung der literarischen Fantastik im Werk E.T.A. Hoffmanns ist Thema des Bandes. So wird gezeigt, daß die in der Forschungsliteratur immer wiederkehrende Verbindung von E.T.A. Hoffmann und Fantastik keineswegs zufällig ist, sondern einer historisch bestimmbaren Zuschreibung entstammt, die sowohl für die Fantastik, als auch für den Nexus Hoffmann - Fantastik als grundlegend anzusehen ist. Die "Geburtsurkunde der Fantastik", d.h. deren erste Erwähnung bzw. Setzung als Begriff erfolgte in einer Besprechung des Werkes E.T.A. Hoffmanns durch Jean-Jacques Ampère, in der dieser auf das gänzlich Neuartige dieser Texte hinwies und zugleich versuchte, selbiges zu bestimmen. Bereits hier wurde die Unmöglichkeit der Entscheidung bzw. Zuordnung der wahrgenommenen Phänomene hervorgehoben, die letztlich Tzvetan Todorov in seiner immer noch für die Fantastikforschung - und damit auch für diese Arbeit - grundlegenden Introduction à la littérature fantastique unter der Bezeichnung "hésitation" als zentral für die Fantastik bestimmt hat.

Die Arbeit zeigt die Sinnfälligkeit der Begründung der Fantastik im Werke E.T.A. Hoffmanns anhand einer ausgewählten Materialbasis auf. Dabei soll nicht die Frage beantwortet werden, ob eine Entwicklung im Werk Hoffmanns vorhanden sei oder man von einem Modell und seinen Variationen sprechen müsse; dennoch liegt die Sympathie dieser Studie - gestützt durch die Interpretationen - bei der ersten Option. Durch den von Genette entwickelten und von Todorov für die Fantastik fruchtbar gemachten Begriff der "Transgression" wurde ein Beschreibungsmodell gewählt, das es erlaubt, den Übergang vom "Wunderbaren" zur "Fantastik" als eine Überschreitung der bis dato gesetzten Grenzen zu beschreiben, die bis zu einer Umkehrung der Strukturprinzipien führen. Sichtbar gemacht wurde dies anhand einer Gegenüberstellung von Jean Pauls und Tiecks Begriffsfassung des "Wunderbaren" und der Beschreibung der Fantastik nach Todorov.