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Romantische Wissenspoetik
Die Künste und die Wissenschaften um 1800
(Hrsg. von Gabriele Brandstetter und Gerhard Neumann)
Die im vorliegenden Band zusammengeführten Abhandlungen haben eine kulturgeschichtliche Krise zum Gegenstand, die zu den folgenreichsten der Moderne gehört. Die Krise entsteht aus der Ende des 18. Jahrhunderts aufkommenden Einsicht, dass die epistemischen Mittel der Aufklärung, System und dynamische Wissensordnung, nicht ausreichen, um die moderne Wirklichkeit der Welt und des diese Welt bildenden und formenden Menschenverkehrs angemessen wahrzunehmen und zu verstehen. Es ist der historische Augenblick, wo die Formen und Möglichkeiten der Kunst, wo also Einbildungskraft und Phantasie, als gleichgewichtige Kräfte der Welt- und Menschenerkenntnis den systematischen Mitteln der Vernunft und des Verstandes an die Seite treten: freilich nicht im Sinne eines nun ebenfalls als Wahrnehmungs- und Verstehensmedium anzuerkennenden Komplements, sondern vielmehr als ein Potential, das gerade in der Reibung mit den vernunftgesteuerten Wissensformen seine Kraft entfaltet. So ist es das Ziel der in diesem Band angestellten Überlegungen, jenen Paradigmawechsel im Feld der Episteme wie der Ästhetik zu beleuchten, der sich in der Zeit um 1800 in Deutschland ereignet. Leitende Parameter der von sehr verschiedenen Wissensordnungen her entwickelten Überlegungen sind dabei aus dem Zusammenspiel von Wahrnehmungsmustern, Erkenntnismodellen und Darstellungskonzepten in der Literatur und in den Künsten gewonnen.
Inhalt:
Gabriele Brandstetter / Gerhard Neumann: Einleitung - Gerhard Neumann: E.T.A. Hoffmanns Prinzessin Brambilla als Entwurf einer ‚Wissenspoetik'. Wissenschaft - Theater - Literatur. - Gabriele Brandstetter: The Code of Terpsichore. Carlo Blasis' Tanztheorie zwischen Arabeske und Mechanik. - Caroline Welsh: "Töne sind Tasten höherer Sayten in uns". Denkfiguren des Übergangs zwischen Körper und Seele. - Jürgen Barkhoff: Inszenierung - Narration - his story. Zur Wissenspoetik im Mesmerismus und in E.T.A. Hoffmanns Das Sanctus. - Roland Borgards: "Kopf ab". Die Zeichen und die Zeit des Schmerzes in einer medizinischen Debatte um 1800 und Brentanos Kasperl und Annerl. - Harald Neumeyer: Unkalkulierbar unbewußt. Zur Seele des Verbrechers um 1800. - Hubert Thüring: Die unbestimmte Empfindung. Giacomo Leopardis Lebensbegriff als (negative) Wissenspoetik zwischen Theorie der Lust und Poetik des Unbestimmten. - Walter Hinderer: Traumdiskurse und Traumtexte im Umfeld der Romantik. - Ethel Matala de Mazza: "Wechselreitzung". Organische Gemeinschaft und Poetik der Stimulation bei Novalis und Franz Anton Mesmer. - Albrecht Koschorke: Poiesis des Leibes. Johann Christian Reils romantische Medizin. - Ralf Simon: Herzensangelegenheiten (Jena Paul, Siebenkäs). - Dieter Borchmeyer: Aufstieg und Fall der Zentralperspektive. - Beate Söntgen: Schwellenphänomene. Perspektiv-Hummels Raumkunst. - Axel Michaels: Wissenschaft als Einheit von Religion, Philosophie und Poesie. Die Indologie als frühromantisches Projekt einer ganzheitlichen Wissenschaft.. - Nicolas Pethes: Poetik / Wissen. Konzeptionen eines problematischen Transfers. - Herbert Uerlings: Darstellen. Zu einem Problemzusammenhang bei Novalis. - Stefan Willers: Haki Kraki. Über romantische Etymologie.
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