Stiftung für Romantikforschung
Publikationen
Krisen des Verstehens um 1800
(Hrsg. von Sandra Heinen und Harald Nehr)

Der Zeit um 1800 kommt eine besondere Rolle in der Geschichte des Verstehens zu. Nie zuvor wurden so intensiv die Möglichkeitsbedingungen, aber auch de Grenzen des Verstehens ausgelotet. Markiert wird dies nicht nur durch die theoretische Schriften Friedrich Schleiermachers oder die Thematisierung und Inszenierung der Unverständlichkeit in der Romantik.

"Krisen des Verstehens", das impliziert nicht zuletzt eine Epoche der Krisis, eine entscheidende Phase in der Diskussion um das Verstehen. Die Aufsätze des Bandes untersuchen die hermeneutische Reflexion in Philosophie, Wissenschaftsgeschichte, Literatur und Musik vor allem aus historischer Perspektive und tragen damit zur Ausdifferenzierung eines damals wie heute aktuellen Problemfeldes bei.


Inhalt:
Harald Nehr: Ein schweigender Hermes. Zur Krisis einer epistemologischen Fragestellung um 1800. - Gerhard Kurz: Alte, neue, altneue Hermeneutik. Überlegungen zu den Normen romantischer Hermeneutik. - Madleen Podewski: Konzeptionen des Unverständlichen um und nach 1800: Friedrich Schlegel und Heinrich Heine. - David Martyn: Gewalt der Rede, Gewalt des Verstehens: Schleiermacher, Meier, Kleist. - Johannes F. Lehmann: Verstehen des Zorns. Zur Hermeneutik Schleiermachers und der Kriminalpsychologie um 1800. - Christiane Frey: Zeichen - Krisis - Wahnsinn. Fallgeschichten medizinischer und poetischer Semiotik (Philippe Pinel, Jean Paul). - Yvonne Wübben: "Ich bin alles, was da ist". Zur Auslegung der Isis-Inschrift bei Schiller und Reinhold. - Jürgen Link: Naturgeschichtliche Modellsymbolik und Hermetik in Hölderlins Hymne nach 1802 (mit einem näheren Blick auf "Die Titanen"). - Hansjörg Bay: Mißgriffe. Körper, Sprache und Subjekt in Kleists Über das Marionettentheater und Penthesilea. - Harald Nehr: Allegorien des Verstehens, oder: ‚A propos du "style" de Rousseau'. Derrida, de Man und Flaubert als Leser. - Christian Kaden: Zerbrochene Herzlichkeit. Krisen der musikalischen Kommunikation um 1800. - Sandra Heinen: "The Poet speaks to us in his own person and character". Inszenierung von Autorschaft als Lektüreanleitung bei William Wordsworth. - Roland Gallet: Beobachtung und Kontemplation. Welterfassung bei Rousseau. - Ingrid Hotz-Davies: "Plunged into chaos, obscure, contrary, unintelligible". Mary Shelleys The Last Man und die Grenzen der symbolischen Ordnung. - Alexandra Böhm: Geschichte als Fiktion. Heines Reise von München nach Genua und die Krise des historischen Verstehens.