Stiftung für Romantikforschung
Publikationen
Verwicklungen
William Hogarth und die deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts (Lessing, Herder, Schiller, Jean Paul

(Jochen Bedenk)

Das Werk des englischen Malers und Kupfergraveurs William Hogarth (1697-1764) stellt die Nachwelt vor ein Rätsel. Zu Hogarths Hinterlassenschaft gehören nicht nur die berühmten Kupferstiche und Gemälde, in denen er immer wieder die Schattenseiten der Londoner Gesellschaft anprangerte, sondern auch ein wenig beachtetes Traktat, die Analysis of Beauty (1753). Mit dieser pädagogisch ambitionierten Schrift wollte Hogarth ausgerechnet dem Geheimnis der Schönheit auf die Spur kommen. Lange Zeit galt eine Vereinbarkeit des so offensichtlich widersprüchlichen künstlerischen und theoretischen Œuvre als ausgeschlossen.

Die Publikation zeigt jedoch anhand des legendären letzten Stiches, The Bathos (1764), dass das omnipräsente Spannungsfeld aus Schönheit und Abgrund die ästhetische Keimzelle bildet, aus der Hogarths Kunst ihre spektakuläre Selbstbegründung formuliert. Davon ausgehend blickt sie auf die zeitgenössische ästhetische Debatte in Deutschland. Es wird nachgezeichnet, wie bedeutende Kunsttheoretiker und Literaten, namentlich Lessing, Herder, Klopstock, Schiller und Jean Paul, in ihren eigenen Schriften mit dem von Hogarth entdeckten Potential der bildenden Kunst experimentierten. Am Beispiel herausragender theoretischer und literarischer Texte der Zeit kann dabei sichtbar gemacht werden, wie eng der Aufbruch in die Moderne mit jener Grenzerfahrung verknüpft ist, die Malerei und Poesie provozieren, wenn sie die Antwort auf die Drohung des Nichts in der Schönheit suchen.