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Textbewegungen 1800 / 1900
(Hrsg. von Matthias Buschmeier und Till Dembeck)
Die in diesem Band versammelten Beiträge gehen in historischer wie systematischer Hinsicht der Vorstellung nach, Texten könne eine Bewegung innewohnen. Dass Texte Fixierungen darstellen, wernden nur wenige bestreiten. Allerdings legt zumindest die Redeweise so mancher literaturwissenschaftlichen Arbeit nahe, dass ihnen auch ein dynamisches oder performatives Moment anhaftet. Allzu vertraut erscheinen Formulierungen wie diejenige, ein Text 'transformiere eine Struktur', er 'widerstrebe einer Tendenz', kurz, er 'vollziehe eine Bewegung'. Der Band hinterfragt diese scheinbar konsensuelle Vertrautheit und nimmt die Metapher ernst: Die Autoren wurden amit der Auforderung konfrontiert, an Beispielen zu beschreiben, auf welche Weise literarischen Texte aufgrund ihrer spezifischen Qualität die paradoxale Zuschreibung nahe legen, sie seien in ihrer Fixiertheit bewegt oder gar eigenbewegt. Die Zumutung der Annahme, dass es eigenbewegte Texte gibt und dass sich Strukturen konkret angeben lassen, anhand derer sich ein Text als eigenbewegt beschreiben lässt, hat sich gerade in ihrer Kontraintuitivität als produktiv erwiesen: Fordert sie doch dazu heraus, zunächst einmal zu untersuchen, ob und wie sich die Rede von »Textbewegungen« literaturtheoretisch begründen lässt. Die systematische Refelxion und die detaillierte Auseinandersetzung mit konkreten literarischen Beispielen werden daher in den einzelnen Beiträgen eng miteinander verknüpft. Historisch reicht die bandbreite der untersuchten Texte von Wielands »Oberon« bis zu Musils »Mann ohne Eigenschaften« und Woolfs »Orlando«.
Inhalt:
Sektion I - Theorie: Erika Greber: Textbewegung / Textwebung. Texturierungsmodelle im Fadenkreuz von Prosa und Poesie, Buchstabe und Zahl. - Till Dembeck: Anbilden/Umbilden - lesbar/schreibbar. Bewegte Texte bei Friedrich Schlegel, Roland Barthes u.a.. - Guido Isekenmeier: Textuelle Performativität als Produktion von Sinn. - Remigius Bunia: Bewegliches Fragment. Den zweiten Teil von Musils »Der Mann ohne Eigenschaften« lesen. - Markus Dauss: Figuren ikonischer Eigenbewegtheit. Schwingungen von Pollaiuolos »Kampf zehn nackter Männer«. - Sektion II - Historische Semantik: Dirk Oschmann: Bewegung als ästhetische Kategorie im späten 18. Jahrhundert. - Matthias Buschmeier: Vom Wirken des Geistes im Werk. Kant und das bewegte Kunstwerk. - Anja Oesterhelt: Plastische und sprachliche Form in Bewegung. Konzepte des belebten Kunstwerks bei Herder, A.W. Schlegel und Brentano. - Friedmar Apel: Man wird den ganzen Marmor in Bewegung sehen. Sehtheoretische Anmerkungen zu Goethes »Über Laokoon«. - Roswitha Burwick: »Verließ die Physick ganz um Trauerspiele zu machen«. Arnims Vernetzung von Naturwissenschaft und Poesie. - Sektion III - 'Um 1800': Janine Hauthal: Theatralität und Narrativität in Heinrich von Kleists »Penthesilea« (1808). Paradoxe Konstellationen im (innerästhetischen) Medienwechsel. - Andrew Piper: Korpus. Brentano, das Buch und die Mobilisierung eines literarischen und politischen Körpers. - Ronny Bläß: »The snake with it's Tail in it's Mouth.« Zirkularität in James Hoggs »The private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner« (1824). - Natalie Binczek: Kommunikative Vernetzungen. Gedicht und Erzählung in Joseph von Eichendorffs »Ahnung und Gegenwart« und »Das Schloß Dürande«. - Sektion IV - 'Um 1900': Lars Niehaus: Figurativität, Physiologie und Religion. Nietzsches experimentalphilosophische Überlegungen zu einer diätetischen Religionskritik. - Ralf Haekel: 'The solid world itself was dissolving and dwindling'. Performativität in James Joyce »The Dead«. - Jana Schuster: »Tempel im Gehör«. Zur Eigenbewegtheit des Klanggedichts am Beispiel des ersten der »Sonette an Orpheus« von Rainer Maria Rilke. - Carolin Roder: »Words shuffle and change«. »Orlando« und die Performativität des Literarischen.
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