Stiftung für Romantikforschung
Publikationen
Leib / Seele - Geist / Buchstabe
Dualismen in der Ästhetik und den Künsten um 1800 und 1900
(Hrsg. von Markus Dauss / Ralf Haekel)

Dualistische Systeme prägen seit jeher das Denken über den Menschen. Zugleich sind sie immer schon der Kritik ausgesetzt, da sie stets in Konkurrenz zu alternativen entwürfen stehen. Der umstrittene Status von Dualismen ist traditionell Gegenstand theologischer Debatten, philosophischer Epistemologie und naturwissenschaftlicher Erkenntnisbildung und prägt auch die Diskurse der Medizin, der Psychoanalyse und der Philosophie der Moderne. Diese Disziplinen übergreifende Problematik hat sich besonders plastisch in der Ästhetik und den Künsten konturiert. Speziell im Klassizismus, in der Romantik und der Moderne werden das Potential und die Grenzen dualistischer Schemata intensiv verhandelt. Der Sammelband grenzt die Problematik anhand zweier Themenkomplexe ein, die sich historisch als zentrale Fokussierungen dualistischer Denkmuster erwiesen haben: de Leib-Seele-Problematik und ihre Spiegelung im Begriffsdoppel von Geist und Buchstaben, die zahlreiche Entwürfe des Ästhetischen bestimmt und künstlerische Verarbeitungen provoziert haben. Die Grundannahme bei deren Rekonstruktion ist, dass sich das Verhältnis von lebloser Materie zu immaterieller, aber "beseelter" Wesenheit auf semiotischer Ebene in der Rede vom "toten" Buchstaben und "lebensspendenden" Geist rekonfiguriert.


Inhalt:
Einleitung - Christine Lubkoll: Kunstgrammatik und Hieroglyphenschrift - Die Sonatenform als klassizistisch-romantisches Zeichenmodell - Hans Sanders: Die Zeichen des Körpers lesen - Zur Strategie der Verführung in Choderlos' "Les liaisons dangereuses" - Harald Neumeyer: Traum-Literatur um 1800. Körperreize, Psychenbilder und die Macht des Wortes - Ralf Haekel: Die Seele als ästhetische Kategorie - Edward Youngs "Night Thoughts" und William Blakes The Four Zoas" - Monika Sproll: "aus der Seele heraus charakterisieren" - Herders Theorie des Charakters in seiner Abhandlung "Vom Erkennen und Empfinden der Menschlichen Seele" (1778) - Markus Dauss: Buchstaben - Architektur / Buchstabenarchitektur - Stephan Pabst: Werthers Ossian - Zur Aporetik des Authentischen - Roland Borgards: Improvisation, Verbot, Genie - Zur Improvisationsästhetik bei Sonnenfels, Goethe, Spalding, Moritz und Novalis - Rainer Metzger: Das göttliche Alphabet - Buchstäblichkeit bei Johann Caspar Lavater - Caroline Welsh: 1800/1900 - Ästhtetische und psychische Stimmungen im Wandel dualistischer Modelle - Susanne Scholz: "The Soul is in the Race" - Visionen des Leib-Seele-Verhältnisses bei R.L. Stevenson - Till Dembeck: Phono-Graphie - Schallaufzeichnung und kultureller Vergleich 1800/1900 - Maximilian Bergengruen: Das göttliche Ende der Nerven - Hermann Bahrs: "Die gute Schule" zwischen Psychopathologie und Mystik - Franziska Bomski: Die dialogische Identität in Robert Musils "Die Amsel" - Herbert Grabes: Das Verhältnis des Geistigen zur Materie in Kandinskys "Das Geistige in der Kunst" - Christiane Frey: Der Weg allen Fleisches - Geist und Buchstabe in Moritz' "Andreas Hardknopf"