Stiftung für Romantikforschung
Publikationen
Schiller und die Antike
(Hrsg. von Paolo Chiarini und Walter Hinderer)

Inhalt:
Nicht von ungefähr hat Schiller seit seinen Unterhaltungen mit Wieland, Goethe und Wilhelm von Humboldt einschlägige Werke der griechischen Antike, besonders Sophokles, aber auch Aischylos und die Poetik des Aristoteles, eingehend studiert und sich von ihnen zu neuen Entdeckungen anregen lassen. Spuren davon lassen sich leicht in der Wallenstein-Trilogie, seiner Maria Stuart und der Braut von Messina finden. In dem letzteren Trauerspiel führt er sogar , wie er in dem Essay "Über den Gebrauch des Chors" näher erläutert, eine neue Art von Chor ein, ein "Kunstorgan", mit dem er nicht nur "dem Naturalismus in der Kunst" den Krieg erklären, sondern auch einen Ort füør die poetische Freiheit und Produktion schaffen wollte. In einem Brief an Humboldt (17.2.1803) erinnert Schiller diesen daran, dass er nicht vergessen habe, dass dieser ihn einmal (Brief von Humboldt vom 6.11. 1795) "den modernsten aller neueren Dichter genannt" und ihn "im größten Gegensatz mit allem, was antik heißt, gedacht" habe. Umso mehr hoffte Schiller mit seiner Braut von Messina dem Antikenkenner und Freund "das Geständnis abzwingen" zu können, dass er auch diesen ihm angeblich "fremden Geist [sich] zu eigen" gemacht habe. Es schien ihm die Antike trotz aller Bedenken gleichzeitig eine Art Cicerone auf seinem Weg zur Moderne gewesen zu sein. In "einer schwermütigen Stimmung" soll er sogar, wie Caroline von Wolzogen in ihrer Schillerbiographie überliefert, erklärt haben: "Wenn man auch nur gelebt hätte, um den dreiundzwanzigsten Gesang der Ilias zu lesen, so könnte man sich nicht über seyn Daseyn beschweren".

Paolo Chiarini / Walter Hinderer: Vorwort - Ernst-Richard Schwinge: Schiller und die griechische Tragödie - Ernst A. Schmidt: Schillers römische 'Tragödien' - Giampiero Moretti: "... Nur durch das Morgentor des Schönen ..." Alcune riflessioni su Schiller, Hölderlin e l'antico - Hans Dieter Zimmermann: "Die Götter Griechenlands" Zu Friedrich Schiller und Friedrich Hölderlin - Gerhard Neumann: Ausnahmezustand. Antike und Moderne in Schillers Balladen - Norbert Miller: Schillers Nachdichtung der Iphigenie in Aulis von Euripides: Das ideale Drama des Klassizismus - Günter Oesterle: Friedrich Schiller: "Die Braut von Messina". Radikaler Formrückgriff angesichts eines modernen kulturellen Synkretismus oder fatale Folgen kleiner Geheimnisse - Luca Crescenzi: Da Schiller a Nietzsche. Studi sui Briefe über Don Carlos - Rolf-Peter Janz: Affektmodellierung nach antiken Vorbildern? Schillers Wallenstein - Luca Zenobi: Schiller e Plutarco: dai Räuber al Themistokles-Entwurf - Maria Carolina Foi: Diritti moderni e miti dell'antico. Risonanze matriarcali nel Wilhelm Tell - Ernst Osterkamp: Die Götter - die Menschen. Friedrich Schillers lyrische Antike - Arbogast Schmitt: 'Antik' und 'modern' in Schillers "Über naive und sentimentalische Dichtung" - Giovanna Pinna: "Und die Sonne Homers, siehe, sie lächelt auch uns" Dialettica dell'antico in "Der Spaziergang di Schiller" - Cinzia Ferrini: Modelli della grecità in Schiller e Hegel - Helmut J. Schneider: Kontur der Versöhnung. Der klassische Statuenkörper als Hintergrund der Schillerschen Entfremdungskritik - Michele Cometa: Pompeji und Herkulanum: sulla cultura visuale di Schiller