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Bild und Schrift in der Romantik (Hrsg. von Gerhard Neumann und Günter Oesterle)
Der Beziehung der Einzelkünste in der Romantik geht eine entschiedene Unvereinbarkeit voraus. Nach August Wilhelm Schlegel gibt es "keine Brücke, die den bildenden Künstler aus seinem Gebiet in den Mittelpunkt der Dichtung hinüberführen könnte". Auch der traditionelle Wettstreit der Künste wird obsolet, wenn die Darstellung des Unbegrenzten und Unsagbaren ins Zentrum romantischen Kunstbemühens tritt. Dafür wird die Besinnung auf den Ursprung der Künste, ihre gemeinsame Grenze, ihre imaginative Ergänzungsbedürftigkeit relevant. Neue, bislang randständige oder als Vorstudien etikettierte Kunstformen gewinnen in Literatur und bildender Kunst an Bedeutung, das Skizzieren und Kritzeln, die Schattenbilder und Umrisse oder die Vexierbilder. Wenn die Aufgabe der Künste sich nicht mehr in der Repräsentation vorgegebener Welten erschöpft, sondern die Präsentation eigener ästhetischer Welten erfordert, wird Bild und Schrift und die Reflexion auf pikturale und schriftliche Zeichen dominant. Zugleich zeichnet sich der Versuch der romantischen Künste ab, die Kluft zwischen der generellen Unanschaulichkeit rationalistischer Welt und dem gleichzeitigen Auftreten einer Bilderflut durch die Entdeckung universell gültiger Chiffren zu unterlaufen. Die sechzehn Beiträge versuchen, sich diesem Spektrum an Fragestellungen der Bild- und Text- bzw. Schrift- und Bildbeziehungen aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Dabei verbünden sich theoretische Ambitionen der Kunstästhetik und Wahrnehmungstheorie, der Medientechnik, Psychiatrie- und Narrationsforschung, mit einlässlichen Werkinterpretationen.
G. Neumann/G. Oesterle: Einleitung - I. Bild - Schrift: G. Oesterle: Die folgenreiche und strittige Konjunktur des Umrisses in Klassizismus und Romantik - H. Pfotenhauer: Bild - Schriftbild - Schrift: Jean Paul - D. Ottmann: Achim von Arnim: "Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau". Zur Funktion der Metonymie in romantischen Texten - II. Medien und Wahrnehmung: G. Neumann: Narration und Bildlichkeit. Zur Inszenierung eines romantischen Schicksalsmusters in E.T.A. Hoffmanns Novelle "Doge und Dogaresse" - H. Brüggemann: Peter Schlemihls wundersame Geschichte der Wahrnehmung. Über Adelbert von Chamissos literarische Analyse visueller Modernität - H. Tausch: Das Bad der Diana. Heinrich von Kleists "Der Schrecken im Bade" - W. Hinderer: Erzählte Bilder und eingebildete Texte: Anmerkungen zu Tiecks Novelle "Die Gemälde" (1821) - III. Diskurse: M. Schneider: Das Grauen der Beobachter: Schriften und Bilder des Wahnsinns - E. Matala de Mazza: Die Kraft der Einbildung oder wie erfindet sich ein romantischer Autor? Zwei Lektionen in zwei Lektüren von Ludwig Tieck und E.T.A. Hoffmann - C. Öhlschläger: Die Macht der Bilder. Zur Poetologie des Imaginären in Joseph von Eichendorffs "Die Zauberei im Herbste" - K. Herding: "... in jenen seligen Augenblicken, wo wir das glücklichste Jahrhundert träumten". Wiederkehrende Wendungen in Künstlerromanen - J. Steigerwald: Anschauung und Darstellung von Bildern. E.T.A. Hoffmanns "Die Jesuiterkirche in G." - G. Hess: Lohengrin in Weimar oder: Die Spätzeit romantischer Bilder - S. Vietta: Heideggers Kritik des neuzeitlichen Weltbildes und die frühromantische Kunstästhetik Wilhelm Heinrich Wackenroders - IV. Autorschaft - Geschlechterdifferenz: Ch. Begemann: Frauen - Bilder. Kunst, Kunstproduktion und Weiblichkeit in Achim von Arnims "Raphael und seine Nachbarinnen" - Ch. Holm: "... es werde ihm so schwer, im Zusammenhang zu schreiben, weil es ihn immer treibe, statt zu schreiben zu zeichnen". Text-Bild-Beziehungen in Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins und Henriette Hermes' Roman "Die Eselsgeschichte" - Ch. Lenz: Max Beckmanns Illustrationen zu "Fanferlieschen Schönefüßchen" von Clemens Brentano
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